Fachstelle für Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche

Prozessbegleitung und Covid-19

Einige unserer Kolleginnen und Kollegen haben sich Gedanken darüber gemacht, wie sich der Opferschutz bei Polizei und Gericht und die aktuellen Schutzmaßnahmen miteinander vereinbaren lassen. Hier gehts zum Video

 

 

Während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen wurden Klient*innen telefonisch oder über Video betreut, in Krisensituationen mitunter auch persönlich. Diese Form der Begleitung kann allerdings den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Für viele der betreuten Kinder und Jugendlichen waren die Wochen des Lockdowns belastend, u.a. weil vertraute Strukturen im Alltag, aber auch die persönlichen Termine bei der Prozessbegleitung weggefallen sind. Auch das lange Warten auf weitere Schritte nach der Anzeige stellte für manche Opfer eine Belastung dar.

Wenn die Institutionen der Strafverfolgung nun ihre Tätigkeit wieder aufnehmen, sind Prozessbegleiter*innen daher mehr denn je auf eine gute Kooperation mit ihnen angewiesen, um ihre Aufgabe gut ausüben zu können:

  • Es wäre hilfreich, Rücksprache mit der zuständigen Prozessbegleitung zu halten, bevor Befragungstermine mit Kindern und Jugendlichen angesetzt werden. Viele von ihnen benötigen nun mehr Zeit, um nach den langen Wochen zuhause (wieder) auf den Ablauf des Verfahrens und die Rahmenbedingungen der Befragung vorzubereitet zu werden. Vor allem bei jüngeren Kindern gelingt dies oft nur im persönlichen Kontakt, weil Telefon oder Video aufgrund ihres Entwicklungsstands keine angemessenen Kommunikationsmittel sind.
  • In Fällen, in denen bereits vor den Krisenmaßnahmen eine Anzeige erstattet wurde, kann es sein, dass die Bereitschaft von Opfern, im Strafverfahren eine Aussage zu machen, durch aktuelle familiäre Belastungen und Einflüsse während der Zeit der Heimisolation abgenommen hat. In diesen Fällen kann es sein, dass Kinder und Jugendliche mehr Zeit brauchen, um ihre Prozessbegleiterin oder ihren Prozessbegleiter wieder als Vertrauensperson im Strafverfahren erleben zu können. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass manche von ihnen dennoch bei weiteren Befragungen keine Aussage machen werden.
  • Prozessbegleiter*innen werden daher vor Befragungsterminen mit möglicherweise häufiger mit Polizei und Gericht Kontakt aufnehmen, um nach Veränderungen in den gewohnten Abläufen und aktuellen Schutzmaßnahmen zu fragen. Auch für die Prozessbegleiter*innen sind diese Vorkehrungen neu und sie müssen sich erst damit vertraut machen. Sie können verunsicherte Klient*innen nur dann gut unterstützen, wenn sie Sicherheit bezüglich der Abläufe haben und die Mädchen und Buben entsprechend vorbereiten können.

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